Kino.to nach Polizeiaktion geschlossen - rechtliche Konsequenzen noch unklar
Jahrelang war kino.to den Vertretern der Filmindustrie ein Dorn im Auge. Die Plattform war eine zentrale Anlaufstelle fürs Streaming von Kinofilmen und TV-Serien - angeboten wurden allerdings nur Links zu den Streams, die Inhalte selbst wurden von kino.to nicht auf den Servern gespeichert.
Zwar gibt es viele vergleichbare Dienste, doch kino.to war (ähnlich wie The Pirate Bay unter den Torrent-Seiten) die bekannteste Plattform dieser Art. Was die Sache so unangenehm machte, waren die ungenügende rechtliche Handhabe gegen die Plattform. Sie agierte in einer rechtlichen Grauzone, und die Betreiber betonten stets, dass sie nur eine legale Linksammlung anbieten würden. Auch unter Rechtsexperten bestand kein Konsens, wie kino.to nun zur beurteilen sei.
Das letzte Wort ist erst mit dem Ende des Gerichtsprozesses gesprochen, doch alles deutet auf ein Ende von Kino.to hin. In einer groß angelegten Aktion der deutschen Kriminalpolizei wurden mehrere mutmaßliche Betreiber von kino.to verhaftet, die Domain wurde beschlagnamt und der Dienst ist nun offline. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. Zum Verhängnis könnte ihnen die Verquickung mit Filehostern werden. Ihnen wird vorgeworfen, dass sich durch Partnerschaften mit und Gründungen von Filehostern und Streaming-Diensten von illegal hochgeladenen Filmen profitiert haben sollen.
Auch wenn Uneinigkeit bezüglich der Legalität von kino.to besteht, so scheint die Schließung von kino.to selbst für viele Gegner der Content-Industrie kein großer Verlust zu sein. Kino.to wird u.a. vorgeworfen, dass sie kostenlose Streaming-Software verkauft und Malware verbreitet haben. Die offensichtliche Gewinnorientierung mit penetranter Werbung sorgt ebenfalls für keine Sympathiepunkte.
In Zweifel darf auch gezogen werden, dass die Schließung von kino.to mehr als nur ein symbolischer Sieg ist - die Filmindustrie wird dadurch kaum Kunden zurück gewinnnen. Filme bei kino.to waren in der Regel von sehr schlechter Qualität - wer derartige Qualitätseinbußen akzeptiert, nur um gratis einen Film zu sehen, wird deswegen kaum das Geld fürs Kino ausgeben. Und an ebenso fragwürdigen Alternativen mangelt es nicht. Viel mehr würde es an den Contentanbietern liegen, endlich legale Alternative zu schaffen. Denn es geht nicht immer nur um den Preis für den Film an sich, sondern auch um den mit dem Kino verbundenen Aufwand und Unnehmlichkeiten dort (gerade in Zeiten von Heimkino-Systemen bevorzugen Filmliebhaber oftmals einen privaten Kinoabend gegenüber dem Kino mit Störungen aus dem Publikum).
Die meisten Rechtsexperten gehen davon aus, dass Nutzern von kino.to kein Ungemach droht - doch das letzte Wort ist auch hier nicht gesprochen, eventuell könnten noch Abmahnungen folgen. Von Anfang an klar war hingegen, dass Racheaktionen nicht lange auf sich warten würden - die Website der GVU wurde bereits zum Opfer einer DDoS-Attacke.